TankSnap › Ratgeber › Ammoniak, Nitrit und Nitrat

Wasserchemie

Ammoniak, Nitrit und Nitrat: Was sie bedeuten und was du tun kannst

Diese drei Werte verraten dir, ob dein Filter das Wasser sicher hält. In einem eingefahrenen Aquarium sollten Ammoniak und Nitrit beide bei null liegen. Nitrat ist deutlich harmloser, muss aber trotzdem im Blick bleiben.

Süßwasseraquarien · Aktualisiert am 8. Oktober 2026

Der Stickstoffkreislauf in zwei Minuten

Fische geben Ammoniak über ihre Kiemen und mit ihrem Kot ab. Auch beim Abbau von Futterresten und abgestorbenen Pflanzenteilen entsteht Ammoniak. Nitrifizierende Bakterien, die vor allem im Filtermaterial und auf Oberflächen leben, wandeln es in zwei Schritten um:

  1. Ammoniak wird von einer Bakteriengruppe zu Nitrit umgewandelt.
  2. Eine zweite Gruppe wandelt Nitrit zu Nitrat um.

Nitrat reichert sich dann an, bis du es durch Wasserwechsel entfernst oder schnell wachsende Pflanzen es aufnehmen. In einem gesunden, eingefahrenen Aquarium stehen Ammoniak und Nitrit bei null, und das Nitrat steigt zwischen den Wasserwechseln langsam an.

Kurzübersicht

WertZiel (eingefahrenes Aquarium)Wie gefährlich?
Ammoniak0 mg/l (ppm)Giftig. Wie giftig, hängt von pH-Wert und Temperatur ab (siehe unten). Schädigt die Kiemen und stresst Fische.
Nitrit0 mg/l (ppm)Stark giftig. Das Blut kann dann nicht mehr richtig Sauerstoff transportieren.
NitratViele Aquarianer streben unter 20 bis 40 mg/l anDeutlich weniger giftig als Ammoniak oder Nitrit, aber dauerhaft hohe Werte können die Fische belasten und das Algenwachstum begünstigen.

Wie hoch das Nitrat sein darf, hängt davon ab, was du pflegst. Empfindliche Fische, Garnelen und viele bepflanzte Aquarien fühlen sich im unteren Bereich wohler, robuste Gesellschaftsfische vertragen mehr. Informiere dich über die Ansprüche deiner eigenen Arten. Die 20 bis 40 mg/l sind ein verbreiteter Richtwert aus der Praxis, keine allgemeingültige Sicherheitsgrenze.

Ammoniak

Jeder Wert über null ist in einem eingefahrenen Aquarium ein Grund, nachzuforschen. Wie viel er zu bedeuten hat, hängt davon ab, was die Zahl tatsächlich misst.

Was dein Ammoniaktest misst

Die meisten Aquarientests messen das Gesamtammoniak, also zwei Formen zusammen: giftiges Ammoniak (NH₃) und das deutlich weniger schädliche Ammonium (NH₄⁺). Welche Form dein Test ausweist, steht in seiner Anleitung. Das Verhältnis der beiden verschiebt sich mit pH-Wert und Temperatur: In warmem, alkalischem Wasser liegt mehr der giftigen Form vor, derselbe Gesamtwert kann also ein sehr unterschiedliches Risiko bedeuten.

pH-WertUngefährer Anteil des Gesamtammoniaks als giftiges NH₃ (25 °C)
6,50,2 %
7,00,6 %
7,51,8 %
8,05 %
8,515 %

Das sind ungefähre Gleichgewichtswerte, keine Sicherheitsgrenzen, und der Anteil steigt pro 5 °C Erwärmung um etwa ein Drittel. Ein Test zeigt dir das Gesamtammoniak, den NH₃-Anteil kann er nicht angeben. Nimm deshalb jeden Wert über null ernst und handle bei warmem oder alkalischem Wasser früher.

Wenn Ammoniak über null liegt

  1. Teste noch einmal, mit einer frischen Probe und einem sauberen Röhrchen. Schnappen die Fische nach Luft oder wirken sie deutlich gestresst, warte das Ergebnis nicht ab: Fang mit Schritt 2 und 3 an und teste danach.
  2. Mach einen Teilwasserwechsel mit aufbereitetem Wasser in gleicher Temperatur. Ein Viertel bis die Hälfte ist ein vernünftiger Anfang. Ist der Wert deutlich erhöht und sind die Fische gestresst, ist ein größerer Wechsel richtig, denn er verdünnt das Ammoniak direkt.
  3. Sorge für mehr Sauerstoff: Richte den Filterauslauf auf die Oberfläche oder setze einen Ausströmer ein. Das entfernt kein Ammoniak, hilft gestressten Fischen aber beim Atmen, während du die Ursache behebst.
  4. Füttere einen Tag lang nicht und entferne Futterreste.
  5. Ein Wasseraufbereiter, der Ammoniak „entgiftet“ oder bindet, kann etwas Zeit verschaffen. Die Produkte unterscheiden sich aber, und die Wirkung ist nicht garantiert. Er ersetzt weder Wasserwechsel noch einen funktionierenden Filter, und ein Test zeigt das Ammoniak danach unter Umständen weiterhin an.
  6. Such die Ursache: ein toter Fisch oder eine tote Schnecke, ein verstopfter oder ausgeschalteter Filter, ein kürzlich gereinigter Filter, zu viele auf einmal eingesetzte Fische oder Medikamente, die die Bakterien geschädigt haben.
  7. Teste nach dem Wasserwechsel erneut und wiederhole ihn, bis der Wert gesunken ist.

Neues Aquarium?

In einem Aquarium, das noch einfährt, ist Ammoniak zu erwarten. Wie du sicher einfährst, erklärt unser Ratgeber zu den Wasserwerten im neuen Aquarium.

Nitrit

Nitrit ist der mittlere Schritt. Es taucht auf, wenn die zweite Bakteriengruppe mit der ersten noch nicht mithalten kann. In einem eingefahrenen Aquarium sollte es null anzeigen. Ein messbarer Wert bedeutet, dass der Kreislauf gestört oder das Aquarium überlastet ist.

Nitrit schadet anders als Ammoniak: Es gelangt ins Blut und wandelt Hämoglobin in eine Form um, die keinen Sauerstoff transportieren kann. Betroffene Fische zeigen deshalb Anzeichen von Sauerstoffmangel, etwa Luftschnappen, obwohl im Wasser genug Sauerstoff ist.

Wenn Nitrit über null liegt

Nitrat

Nitrat ist das Endprodukt – darum ist es der Wert, den du mit regelmäßiger Pflege steuerst. Es steigt, wenn du viel fütterst, viele Fische hältst oder zu lange zwischen den Wasserwechseln wartest.

Wenn Nitrat hoch ist

Wenn du das Nitrat im Rahmen der normalen Pflege senkst, tu das schrittweise über mehrere Wasserwechsel, statt fast das ganze Wasser auf einmal zu tauschen. Das kann Fische durch plötzliche Änderungen von Temperatur und Wasserwerten schocken. Ein Notfall ist etwas anderes: Sind Ammoniak oder Nitrit hoch und die Fische gestresst, ist ein großer Wasserwechsel die richtige Entscheidung. In beiden Fällen sind Temperatur angleichen und das Wasser aufbereiten wichtiger als eine feste Prozentzahl.

Achte auf den Verlauf, nicht nur auf den einzelnen Messwert

Ein einzelner Messwert ist eine Momentaufnahme. Entscheidend ist die Richtung: ein Nitratwert, der von Woche zu Woche stärker ansteigt, oder ein kurzzeitiger Anstieg des Ammoniakwerts, sobald du neue Fische einsetzt. Teste immer an derselben Stelle deiner Routine, am besten kurz vor einem Wasserwechsel – so siehst du den echten Höchstwert. Mit einem Protokoll erkennst du Muster lange, bevor Fische Symptome zeigen.

Wenn du unsicher bist, wie du einen zuverlässigen Messwert erhältst, lies Wassertest richtig ablesen.

Dieser Ratgeber gilt für Süßwasseraquarien. Salzwasser- und Riffaquarien haben andere Zielwerte. Wenn Fische an der Oberfläche nach Luft schnappen, warte nicht auf ein Testergebnis: Mach einen großen Wasserwechsel mit temperiertem, aufbereitetem Wasser, sorge für mehr Sauerstoff und such dann die Ursache.

Verfolge den Verlauf automatisch

TankSnap speichert jeden Wassertest mit Datum, sodass du einen steigenden Nitratwert oder einen wiederkehrenden Anstieg des Ammoniakwerts leicht erkennst. Fotografiere deinen Test: Die App schlägt dir den Messwert vor, du überprüfst ihn und bestätigst ihn, bevor er gespeichert wird.